Es ist kaum ein Jahr her, dass die Nachricht von der Rettung der Credit Suisse die Finanzwelt erschütterte. Am 12. Juni 2023 wurde die Übernahme durch die UBS rechtlich abgeschlossen – ein institutionelles Erdbeben mit Folgen, die bis heute nachwirken. Dieser Artikel zeigt, wo die Integration steht, welche rechtlichen Einheiten noch existieren und was Kunden und Anleger jetzt wissen müssen.

Ehemaliger Hauptsitz: Zürich, Schweiz ·
Übernommen durch: UBS Group AG ·
Datum der Übernahme: 12. Juni 2023 ·
Mitarbeiter (vor Übernahme): ca. 50.000 ·
Bilanzsumme (2022): ca. 573 Milliarden CHF

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Ob alle Markenrechte der Credit Suisse erhalten bleiben
  • Wie viele Arbeitsplätze langfristig abgebaut werden
  • Detaillierte regionale Migrationsfahrpläne für weitere Länder
3Zeitleisten-Signal
  • 31. Mai 2024 – Fusion von UBS AG und Credit Suisse AG abgeschlossen (UBS (Geschäftsbericht 2024))
  • 7. Juni 2024 – Übergang zur einheitlichen US-Holding (UBS (Medienmitteilung))
  • Oktober 2024 – Beginn Kundenmigration in Luxemburg und Hongkong (Reuters)
4Wie es weitergeht
  • Operative Integration bis voraussichtlich 2025
  • Schrittweiser Markenersatz durch UBS
  • Fokus auf Wealth Management und integrierte IT-Plattform
Der Kern

Die Credit Suisse Group AG existiert als rechtliche Einheit nicht mehr. Was bleibt, ist eine Tochtergesellschaft der UBS, die operativ noch eigenständig agiert, aber schrittweise integriert wird. Für Kunden bedeutet das konkrete Änderungen bei Konten, Karten und Beratung.

Fünf zentrale Eckdaten – eines fällt sofort auf: Die Credit Suisse war bis zuletzt eine systemrelevante Großbank, deren Bilanzsumme von rund 573 Milliarden Schweizer Franken die Dimension des Eingriffs durch die Schweizer Behörden erklärt.

Merkmal Wert
Rechtsform Aktiengesellschaft (aufgelöst)
Gründung 1856 (als Schweizerische Kreditanstalt) (Wikipedia (freie Enzyklopädie))
Sitz Zürich, Schweiz
Übernommen von UBS Group AG
Letzter CEO Ulrich Körner

Wem gehört Credit Suisse?

Eigentumsverhältnisse nach der Übernahme

  • Seit dem 12. Juni 2023 gehört die Credit Suisse Group AG – und mit ihr die operative Credit Suisse AG – zur UBS Group AG (UBS (Medienmitteilung)).
  • Die Credit Suisse AG ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der UBS AG, die ihrerseits Teil der UBS Group AG ist (UBS (Creating sustainable value)).

Die Eigentümerstruktur ist damit eindeutig: Aktionäre der Credit Suisse Group AG erhielten im Zuge der Übernahme UBS-Aktien als Gegenleistung. Seither ist die Credit Suisse kein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen mehr.

Fazit: Die Credit Suisse gehört jetzt der UBS. Aktionäre der alten Credit Suisse Group AG wurden abgefunden. Die Marke Credit Suisse wird allmählich aus dem Markt genommen.

Rolle der UBS Group AG

Die UBS Group AG mit Sitz in Zürich agiert als Mutterkonzern. Sie steuert die Integration aus der Zentrale und berichtet regelmäßig über den Fortschritt. Im Geschäftsbericht 2024 bezifferte die UBS den Integrationsaufwand und bestätigte, dass alle rechtlichen Verschmelzungen auf Ebene der Hauptgesellschaften abgeschlossen sind (UBS (Geschäftsbericht 2024)).

Die Implikation: Die UBS Group AG hält nun die alleinige Kontrolle über die ehemalige Konkurrentin – ein Machtzuwachs, der den Schweizer Finanzmarkt nachhaltig verändert.

Übernahme der Credit Suisse durch die UBS

Gründe für die Übernahme

  • Die Credit Suisse steckte ab 2021 in einer tiefen Vertrauenskrise: Der Zusammenbruch von Greensill Capital und die Milliardenverluste durch den Hedgefonds Archegos erschütterten das Institut (Reuters (Nachrichtenagentur)).
  • Im März 2023 eskalierte die Lage: Liquiditätsabflüsse in Milliardenhöhe zwangen die Schweizer Behörden zum Handeln.
  • Der Bundesrat beschloss am 19. März 2023 ein Maßnahmenpaket, das die Übernahme durch die UBS ermöglichte (Eidgenössisches Finanzdepartement (Bundesbehörde)).
Warum das zählt

Die Rettung war keine freiwillige Übernahme, sondern eine von der FINMA und der Schweizerischen Nationalbank orchestrierte Notoperation. Ohne diesen Eingriff wäre die Credit Suisse innerhalb weniger Tage zahlungsunfähig gewesen – eine systemische Krise für den gesamten Finanzplatz Schweiz.

Ablauf der Transaktion

  • Kaufpreis: rund 3 Milliarden Schweizer Franken – ein Bruchteil des früheren Börsenwerts.
  • Die rechtliche Übernahme (Closing) erfolgte am 12. Juni 2023.
  • Am 31. Mai 2024 fusionierten die UBS AG und die Credit Suisse AG rückwirkend; die Credit Suisse AG hörte als eigenständige juristische Person auf zu existieren (UBS (Geschäftsbericht 2024)).
  • Für den 7. Juni 2024 war der Übergang zu einer einheitlichen US-Mittelgesellschaft geplant (UBS (Medienmitteilung)).

Der Transaktionsablauf zeigt: Was am 19. März 2023 angekündigt wurde, brauchte über ein Jahr für die rechtliche Vollendung – ein Hinweis auf die Komplexität der Verschmelzung zweier systemrelevanter Institute.

Auswirkungen auf Kunden

  • Kunden der Credit Suisse können ihre Konten vorerst weiter nutzen, werden aber schrittweise auf UBS-Systeme migriert.
  • Die Migration der in Luxemburg und Hongkong gebuchten Kunden begann im Oktober 2024 (Reuters (Nachrichtenagentur)).
  • Singapur soll etwas später folgen (Reuters (Nachrichtenagentur)).
  • Die Marke Credit Suisse wird nach und nach durch UBS ersetzt.

Der Kompromiss: Kunden profitieren langfristig von der größeren Produktpalette der UBS, müssen aber mit temporären Einschränkungen rechnen – etwa bei der Kartenakzeptanz oder beim Online-Banking.

Existiert Credit Suisse International noch?

Status der Credit Suisse International

  • Credit Suisse International ist eine rechtlich eigenständige Tochtergesellschaft der UBS und bleibt als solche eingetragen (UBS (Creating sustainable value)).
  • Allerdings unterliegt sie der vollständigen Kontrolle und Steuerung durch die UBS-Konzernmutter.

Credit Suisse (UK) Limited

  • Die britische Tochter Credit Suisse (UK) Limited ist ebenfalls aktiv und wird in die UBS-Struktur integriert.
  • Anders als die Schweizer Hauptgesellschaft wurden diese Einheiten noch nicht fusioniert; sie dienen als Brücke für Kunden und Mitarbeiter im Vereinigten Königreich.

Die Implikation: Wer als Kunde im Ausland bei der Credit Suisse gebucht ist, wechselt je nach Region zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf die Plattform der UBS.

Was ist mit Credit Suisse passiert?

Die größten Skandale der Credit Suisse

  • Greensill Capital (2021): Die Credit Suisse versicherte über ihre Fonds Lieferkettenfinanzierungen des insolventen Fintechs Greensill – Anleger verloren Milliarden.
  • Archegos Capital (2021): Der Ausfall des Family-Office-Fonds Archegos verursachte Verluste von über 5 Milliarden US-Dollar bei der Credit Suisse (Wikipedia (freie Enzyklopädie)).
  • Spionageaffäre (2019–2020): Die Bank ließ ehemalige Manager beschatten, was zu Strafanzeigen und einem schweren Reputationsschaden führte.

Finanzielle Schieflage und Rettung

  • Nach den Skandalen verloren Anleger und Kunden das Vertrauen. Einlagenabflüsse im vierten Quartal 2022 und ersten Quartal 2023 in Milliardenhöhe brachten die Bank an den Abgrund.
  • Die Schweizerische Nationalbank gewährte Notfall-Liquidität, und die FINMA ordnete die Rettungsfusion mit der UBS an (Eidgenössisches Finanzdepartement (Bundesbehörde)).
  • Ohne diesen staatlich organisierten Eingriff wäre die Credit Suisse zusammengebrochen.
Der Widerspruch

Eine Bank, die 2022 noch eine Bilanzsumme von 573 Milliarden CHF aufwies, war de facto pleite – weil die Einlagen innerhalb weniger Tage abflossen. Das zeigt: Größe allein schützt nicht vor einem Bank Run.

Wann wird Credit Suisse zu UBS?

Zeitplan der Integration

  • Rechtliche Fusion der UBS AG und Credit Suisse AG: 31. Mai 2024 (UBS (Geschäftsbericht 2024)).
  • Migration der Kundenkonten: begann im Oktober 2024 in Asien, folgt in weiteren Regionen (Reuters).
  • Operativer Abschluss der Integration: voraussichtlich bis Ende 2025.
  • Markenwechsel: Die Credit Suisse wird schrittweise durch die UBS-Marke abgelöst.

Aktueller Stand 2024

  • UBS meldete im Geschäftsbericht 2024 einen Jahresüberschuss von 5,1 Milliarden US-Dollar und eine Eigenkapitalrendite von 8,7 % (UBS (Geschäftsbericht 2024)).
  • Der UBS-Technikchef erklärte im Oktober 2024, die Integration liege nach einem Testlauf auf Kurs (Reuters).
  • 2025 vermerkte die UBS, dass die wichtigsten Meilensteine erreicht seien, darunter ein Großteil der Kontomigrationen (UBS (Geschäftsbericht 2025)).

Der Trade-off: Die Integration ist teuer und komplex, aber für die UBS alternativlos – nur so lassen sich die erhofften Kostensynergien von jährlich rund 8 Milliarden US-Dollar heben.

Zeitleiste: Vom Gründungsinstitut zur Übernahme

  • – Gründung der Schweizerischen Kreditanstalt (Wikipedia)
  • – Zusammenbruch von Greensill Capital und Verluste bei Archegos (Wikipedia)
  • – Vertrauenskrise und Liquiditätsprobleme
  • – Ankündigung der Übernahme durch die UBS (Eidgenössisches Finanzdepartement)
  • – Rechtlicher Abschluss der Übernahme
  • – Fusion von UBS AG und Credit Suisse AG (UBS)
  • – Fortlaufende Integration der Geschäftsbereiche

Was wir wissen und was nicht

Bestätigte Fakten

  • Die Credit Suisse Group AG wurde von der UBS übernommen (UBS)
  • Die Credit Suisse AG existiert als Tochtergesellschaft weiter (UBS)
  • Die Integration wird voraussichtlich 2025 abgeschlossen (Reuters)
  • Die Schweiz verhinderte mit staatlicher Hilfe eine Finanzkrise (EFD)

Was unklar ist

  • Ob alle Markenrechte der Credit Suisse erhalten bleiben
  • Wie viele Arbeitsplätze langfristig abgebaut werden
  • Detaillierte Migrationsfahrpläne für einzelne Länder

Stimmen zur Integration

„Die Integration läuft nach Plan. Ein Großteil der Kundenmigration ist bereits erfolgt, und die IT-Systeme werden Schritt für Schritt zusammengeführt.“

– UBS-Sprecher (laut Reuters, Oktober 2024)

„Mit der Fusion wurde sichergestellt, dass die Credit Suisse ihre Verpflichtungen gegenüber Kunden und Gläubigern ordnungsgemäß erfüllen kann. Der geordnete Prozess bleibt gewahrt.“

– FINMA (Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, in einer Stellungnahme 2024)

Was zu beachten ist

Kunden der Credit Suisse sollten ihre Verträge prüfen: Kredit-, Karten- und Depotbedingungen können sich durch die Integration ändern. Wer noch kein Online-Banking bei der UBS hat, wird in den nächsten Monaten automatisch migriert – eine aktive Zustimmung ist meist nicht nötig, aber ein Blick ins Kleingedruckte lohnt sich.

Die Credit Suisse Group AG ist Geschichte – zumindest als eigenständiges Unternehmen. Was bleibt, ist eine Tochter der UBS, die operativ noch Spuren der alten Bank trägt. Für die Schweizer Finanzaufsicht und den Bundesrat war die Rettung ein Erfolg: Eine Systemkrise wurde abgewendet. Für die ehemaligen Aktionäre und viele Mitarbeiter ist das Kapitel mit einem bitteren Beigeschmack abgeschlossen. Für die Kunden in der Schweiz heißt die Devise: Schritt für Schritt zur UBS – oder der bewusste Wechsel zu einem anderen Institut.

Ein detaillierter Rückblick auf die Credit-Suisse-Übernahme durch die UBS zeigt die dramatischen Ereignisse im März 2023.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Credit Suisse Group AG?

Die Credit Suisse Group AG war die Dachgesellschaft der Credit Suisse, einer der größten Schweizer Banken. Nach der Übernahme durch die UBS im Juni 2023 wurde die Group AG aufgelöst; die operative Credit Suisse AG existiert als Tochter der UBS weiter.

Warum wurde die Credit Suisse von der UBS übernommen?

Wegen massiver Vertrauensverluste nach Skandalen (Greensill, Archegos) und Liquiditätsproblemen. Die Schweizer Behörden ordneten die Rettungsfusion an, um einen Kollaps der Bank und eine Finanzkrise zu verhindern.

Kann ich weiterhin mein Credit Suisse Konto nutzen?

Ja, vorerst schon. Die Konten werden aber schrittweise auf die UBS-Plattform migriert. Der genaue Zeitpunkt hängt von der Region ab. Die UBS informiert betroffene Kunden rechtzeitig.

Was passiert mit meinen Aktien der Credit Suisse?

Aktionäre der Credit Suisse Group AG erhielten im Rahmen der Übernahme UBS-Aktien als Tausch. Die genauen Bedingungen wurden von der UBS veröffentlicht. Seit der Fusion können Credit-Suisse-Aktien nicht mehr gehandelt werden.

Wer ist der aktuelle CEO der Credit Suisse?

Der letzte CEO der Credit Suisse Group AG war Ulrich Körner. Nach der Übernahme gibt es keinen eigenständigen CEO mehr; die Credit Suisse AG wird von der UBS-Gruppenleitung gesteuert.

Wie viele Mitarbeiter hatte die Credit Suisse?

Vor der Übernahme beschäftigte die Credit Suisse rund 50.000 Mitarbeiter weltweit. Wie viele Stellen langfristig erhalten bleiben, ist Teil der Integrationsplanung und noch nicht abschließend geklärt.

Welche Skandale gab es bei der Credit Suisse?

Die größten waren die Verwicklungen in die Insolvenz von Greensill Capital, der Milliardenverlust durch den Hedgefonds Archegos und die Spionageaffäre, bei der die Bank ehemalige Manager beschatten ließ.